☕ Werkzeugkasten H1-Bilanz — Quantensprung entlarvt
Ausgabe 025 · aban news
Werkzeugkasten LLM-News Prompts
Status: Woche 5, Freitag. Friday-Werkzeugkasten #5. Format: Friday-Werkzeugkasten (Halbjahres-Bilanz + Bullshit-Phrase). Topic-Mix-Slot 5 von 5 / Long-Form. Quellen-Stand: Eigene Tool-Logs H1 2026, Notion-AI-Test 2 Wochen, Linear-AI-Test 1 Woche, LinkedIn-Buzzword-Scan 26.06.-02.07.2026.
Einstieg
Halbjahres-Wechsel. 25 Ausgaben aban news durch. Heute der Friday-Werkzeugkasten mit H1-Bilanz: zwei neue Tools, eine harte Wahrheit über meinen eigenen Stack, und ein Bullshit-Begriff, der mir diese Woche dreimal begegnet ist.
📰 Was diese Woche zählt
Recap Woche 5: Mistral D-Runde, GPT-6-Verschiebung, EU-Code of Practice (3 Min)
Drei News bleiben hängen:
Erstens: Mistral hat seine D-Runde geschlossen, 1,2 Mrd. € zur Bewertung von 9 Mrd. €. ASML ist mit drin — wichtig, weil’s europäische Chip-Lieferkette absichert. Für dich praktisch: Mistral wird aggressiver, jetzt ist ein guter Moment für Annual-Deal mit Preis-Lock.
Zweitens: OpenAI verschiebt GPT-6 nach Q4 2026. Für Reasoning-Tasks aktuell Sonnet 4.7 die ehrlichere Wahl.
Drittens: EU-Code of Practice für GPAI ab 1. September verbindlich. Nicht dein direkter Effekt, aber Hintergrundwissen, falls du Kunden im regulierten Umfeld berätst.
Quelle: Wochen-Recap-Übersicht (aban news Archiv)
Halbjahres-Bilanz mein eigener Stack: was wirklich blieb (3 Min)
Ehrliche Rückblende. Anfang 2026 nutzte ich: - ChatGPT Plus, Claude Pro, Mistral Le Chat Pro, Gemini Advanced - ConvertKit, Calendly, Loom - Notion, Trello, Asana - Cursor, GitHub Copilot, Replit
Stand Juli 2026 (nach H1): - Behalten: Claude Pro, Mistral Le Chat Pro (für EU-Use-Cases), Granola (siehe 013), Cap.so (siehe 007/010), Cal.com (siehe 019), Resend (siehe 019/022), Plausible (siehe 023) - Gekündigt: ChatGPT Plus (Claude reicht), Gemini Advanced (zu viel Marketing-Drift), ConvertKit (zu Loops migriert), Loom (Cap.so reicht), Trello + Asana (Notion + Linear genug), GitHub Copilot (Cursor reicht) - Neu seit H2-Start: Loops.so, Hetzner Cloud GPU für Mistral-Tests, DeepL Write Pro
Netto-Einsparung: rund 220 € / Monat. Bei höherer Klarheit. Lesson: weniger Tools, dafür je tiefer genutzt.
Quelle: Eigene Stack-Logs Q1+Q2 2026
🛠 Werkzeugkasten: drei getestet, eins fliegt
1. Notion AI — ⭐⭐⭐⭐ behalten, aber mit Vorbehalt
Notion AI — Pricing: 10 $ / Mo on top zu Notion-Plan, oder im Business-Plan inkludiert (15 $ / Seat).
Was es ist: KI-Schicht über deinem Notion-Workspace. Kann Inhalte zusammenfassen, Datenbanken filtern, Vorlagen ausfüllen, Texte umschreiben.
Mein 14-Tage-Test: 23 verschiedene Aufgaben — Meeting-Notizen extrahieren, Projekt-Recaps schreiben, Datenbank-Abfragen formulieren. Was funktioniert: Workspace-Suche, weil Notion AI tatsächlich dein eigenes Material kennt. Was nicht funktioniert: Schreib-Tasks — Notion AI schreibt „mittelgut, in Notion-Stil”, was bedeutet: glatte Output-Texte ohne Charakter.
Verdict: Für interne Recherche in deinem eigenen Workspace stark. Für Output, der nach außen geht, eher Claude oder DeepL Write. Wenn du Notion sowieso intensiv nutzt: 10 $ / Mo ist ok.
2. Linear AI — ⭐⭐⭐ ok, aber zu früh für Solopreneure
Linear AI Features — Pricing: in Standard-Plan ab 8 $ / Seat enthalten. Beta-Features (Auto-Triage, Issue-Zusammenfassung).
Was es ist: KI-Hilfe in Linear, dem Issue-Tracker. Automatische Triage von Bugs, Issue-Zusammenfassungen für Standups, Smart-Search.
Mein 7-Tage-Test: Solo-Projekt mit 34 Issues. Auto-Triage hat 78 % der Issues sinnvoll kategorisiert. Aber: bei Solo-Use ist Triage Overhead. Bei zwei Mit-Entwicklern wäre’s nützlich.
Verdict: Wenn du im Team arbeitest und Linear nutzt — drinlassen. Wenn du Solo bist — die Features bringen aktuell wenig Mehrwert über reines Linear hinaus.
3. „KI-Quantum-Leap-Workshop” für 1.490 € — ⭐ fliegt
Halb-Tages-Workshop von einem deutschen Anbieter, der „den Quantensprung in KI-Produktivität” verspricht. Pre-Reading: zwei PDFs ohne konkrete Aufgaben. Workshop: drei Stunden, davon zwei Stunden Trainer-Monolog mit den üblichen ChatGPT-Demos.
Was rauskommt: drei „Aha-Momente”, die LinkedIn-Posts wert sind, aber kein einziger neuer Workflow, den ich nicht über zwei aban-news-Ausgaben kostenlos hätte lernen können.
Verdict: Klassischer „Hype-Verkauf in Workshop-Form”. Mein Rat: 1.490 € lieber in dein eigenes Tool-Budget für H2 investieren und drei verschiedene Tools ehrlich testen.
💡 Heute ausprobieren
H1-Stack-Audit-Prompt für dein eigenes Setup:
Liste alle Tools, die du in H1 2026 bezahlt hast:
| Tool | €/Monat | Use Cases | Genutzt seit | Genutzt zuletzt |
Für jedes Tool, ehrlich:
1. Wie oft hast du es in den letzten 7 Tagen
tatsächlich aktiv genutzt?
2. Was wäre der Plan-B (anderes Tool oder
manueller Workflow), wenn das Tool morgen
eingestellt würde?
3. Wenn der Plan-B wenig schmerzhaft wäre →
Kündigungs-Termin in den Kalender.
Zusätzlich:
- Welche zwei Tools überlappen sich
(z.B. zwei Notes-Apps, zwei Mail-Anbieter)?
- Welcher Tool-Switch wäre H2 ein Test wert?
Sei direkt. Wenn 6 von 10 Tools "kann weg",
sag das so.
Erwarteter Output: kürzerer, ehrlicherer Stack. Anders als „welche Tools sollte ich noch dazukaufen” — weil’s mit Aufräumen anfängt.
Outro
Schönes Wochenende. Wenn du gerade kündigst, weil aban news dich dazu gebracht hat — schick mir kurz die Liste, ich sammle die Stories für ein größeres Stück in H2. Montag gibt’s wieder DACH-Spezial, diesmal: Sovereign-AI in der Praxis, mit Helsing-Hintergrund.
—Aban
PS: Bullshit-Phrase der Woche — „Quantum Leap in AI Productivity”. Drei Wörter, von denen jedes einzelne in diesem Kontext eine Lüge ist. „Quantum” ist Physik, kein Marketing. „Leap” wäre messbar — frag nach Stunden gespart, Conversion-Lift, Bearbeitungszeit gesunken. „Productivity” ist Output pro Zeit — und gemessen sind die echten Zahlen 10-15 % (siehe Ausgabe 018), nicht 10×. Wenn dir das jemand verkauft: nach drei messbaren KPIs fragen. Antworten kommen selten.