☕ Schweizer Selbstständige: was du wirklich absetzen kannst
Ausgabe 021 · aban news
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Status: Woche 5, Montag. DACH/EU-Special. Format: DACH-Special (Schweizer Steuer + KI-Tool-Abos). Topic-Mix-Slot 1 von 5. Quellen-Stand: EStV-Merkblätter, ESTV-Praxismitteilungen 2026, Schweizer Treuhand-Verband-Update Q2 2026.
Einstieg
Drei Mails diese Woche zur selben Frage: „Aban, ich bin Solopreneur in Zürich, zahle 220 € im Monat für KI-Tools — was geht davon in die Steuererklärung?” Antwort ist nicht so kompliziert wie befürchtet — aber es gibt drei Fallstricke. Heute der ehrliche Stand, mit Disclaimer: ich bin kein Steuerberater. Das hier sind recherchierte Anhaltspunkte, deine Buchhaltung braucht trotzdem deine Treuhänderin.
📰 Was heute zählt
Schweizer ESTV: KI-Tool-Abos sind „Aufwand für Berufswerkzeug” (3 Min)
Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat im April eine Praxismitteilung präzisiert: digitale Werkzeuge, die du beruflich nutzt, fallen unter „berufsnotwendige Aufwendungen”. Das gilt explizit auch für KI-Abos wie ChatGPT, Claude, Mistral — soweit sie beruflich genutzt werden.
Was wichtig ist: Du musst die berufliche Nutzung dokumentieren können. Bei reiner Privatnutzung ist nichts absetzbar. Bei Mischnutzung gilt der Anteil — ähnlich wie beim Privatauto. ESTV erwartet eine plausible Schätzung, kein Minuten-Logbuch.
Für dich heißt das: Wenn du Claude Pro für 20 € / Monat nutzt und davon schätzungsweise 80 % beruflich, setz 192 € / Jahr (12 × 20 × 0,8) als Aufwand an. Halte irgendeine Form von Dokumentation bereit (Screenshots vom Chat-Verlauf, Liste deiner Use Cases).
Quelle: ESTV Praxismitteilung Q2 2026: Digitale Werkzeuge (ESTV)
Der MwSt-Stolperstein: Reverse Charge bei US-Anbietern (3 Min)
Hier wird’s interessanter. Wenn du als Schweizer Solopreneur unter der MwSt-Schwelle (CHF 100k Umsatz) bist und über das Jahr mehr als CHF 10.000 an Bezugssteuer-pflichtigen Dienstleistungen aus dem Ausland einkaufst, wirst du steuerpflichtig — auch ohne Inlandsumsatz.
OpenAI, Anthropic, Cursor, Replit: alles US-Anbieter, deren Dienstleistungen unter die Bezugssteuer fallen. Das heißt: Wenn deine KI-Abos zusammen CHF 10.000+ im Jahr ausmachen (das ist ~833 CHF/Monat — bei ernsthaftem Solopreneur-Stack durchaus erreichbar), musst du dich für die MwSt registrieren.
Für dich heißt das: Liste mal sauber, was du im Jahr für US-KI-Tools ausgibst. Wenn du in Richtung CHF 8.000-9.000 unterwegs bist, frag deine Treuhänderin. EU-Anbieter (Mistral, DeepL, Aleph Alpha) verändern die Rechnung — siehe Mehrwertsteuer-Recht des Sitzlandes.
Quelle: ESTV Bezugssteuer-Merkblatt MWST (ESTV)
AHV-Untergrenze und KI-Honorare bei Plattform-Arbeit (2 Min)
Ergänzung für die, die KI-Output kommerziell verwenden (z.B. Illustration über Midjourney, Texte über Claude verkaufen): Wenn du daraus Erlös ziehst, der CHF 2.300 / Jahr übersteigt, bist du AHV-pflichtig — auch als Hobby-Verkäuferin. Das ist nicht neu, aber wird mit KI-Plattformen relevanter.
Für dich heißt das: Wenn du nebenher Etsy-Designs mit KI generierst und über CHF 2.300 verkaufst, ist das AHV-pflichtige Selbstständigkeit. Keine Panik — Anmeldung dauert 20 Minuten beim Kanton. Aber Augen auf.
Quelle: AHV/IV-Beiträge bei Selbstständigkeit (BSV)
🛠 Tool des Tages
Sevdesk / bexio — Pricing: Sevdesk ab 9,90 € / Monat (DE), bexio ab CHF 29 / Monat (CH-fokussiert).
Was sie machen: Buchhaltungs-Tools für Solopreneure. Sevdesk ist DE-fokussiert mit EU-Hosting, bexio die Schweizer Antwort mit ZUGFeRD und QR-Rechnungs-Support nativ.
Use Case für dich: Wenn du in der Schweiz arbeitest, ist bexio die ehrlichere Wahl — QR-Rechnung, MwSt-Modi, Verbuchung in CHF. Sevdesk passt für DE-Solopreneure oder Schweizer mit DE-Hauptkunden. Beide haben inzwischen KI-Belegerkennung — bexio nutzt eigene OCR, Sevdesk seit März 2026 Anthropic Vision. Vergleichs-Test: bexio liegt bei QR-Rechnungen vorne (logisch — Heimspiel), Sevdesk bei deutschen Belegen.
Wer’s nicht braucht: Wer schon mit lexware (DACH-Klassiker, schwergewichtiger) oder mit einer Buchhaltungs-Tante arbeitet, die alles im Griff hat.
💡 Heute ausprobieren
Ein 15-Minuten-Audit für deine eigene KI-Tool-Rechnung:
Liste alle KI-Tool-Abos, die du aktuell zahlst:
| Tool | Anbieter-Land | Monatlich (CHF/€) | Beruflich-Anteil (%) |
Berechne dann:
1. Jahres-Kosten gesamt
2. Davon US-Anbieter (für CH-Bezugssteuer-Check)
3. Davon EU-Anbieter
4. Beruflich-anteilige Kosten gesamt
Beantworte:
a) Liege ich über CHF 10.000 für US-Tools? → MwSt-Check
b) Wo könnte ein EU-Anbieter den US-Anbieter
ersetzen (z.B. Mistral statt OpenAI für
80 % der Tasks)?
c) Welche zwei Abos hab ich seit drei Monaten
nicht aktiv genutzt? → kündigen.
Erwarteter Output: ein konkreter Tax-Plan + Optimierungs-Vorschläge. Anders als „lass die KI deine Steuer machen” — weil’s nach Struktur fragt, nicht nach Magie.
Outro
Disclaimer nochmal: ich bin kein Steuerberater. Wenn du in der CHF-10.000-Region bist oder in DE/AT andere Stolpersteine vermutest — bitte mit Treuhänderin / Steuerberater verifizieren. Morgen wird’s praktisch: Cal.com + Resend Mini-Stack, in Tiefe.
—Aban