☕ Plötzlich war's nur ein Produktivitäts-Tool
Ausgabe 003 · aban news
Anti-Hype LLM-News Tools
Status: Tag 3 Launch-Woche. Mid-Week-Modus. Format: Anti-Hype-Take auf einen aktuellen Trend. Topic-Mix-Slot 3 von 5. Quellen-Stand: RSS-Sweep 26./27.05.2026.
Einstieg
Mittwoch, Mitte der Woche. Heute eine kleinere Ausgabe — nicht aus News-Mangel, sondern weil eine Story die anderen erschlägt. Sam Altman und Dario Amodei haben diese Woche ihre eigenen Job-Apokalypse-Warnungen weggeräumt. Vier Wochen vor möglichen Börsengängen. Ich find das einer Einordnung wert, die länger ist als ein Tweet.
📰 Was heute zählt
Vom Job-Killer zum Produktivitäts-Booster — die Kehrtwende der Lab-Chefs (4 Min)
The Decoder bringt es auf den Punkt: Sam Altman (OpenAI) und Dario Amodei (Anthropic), die in den letzten zwei Jahren regelmäßig vor massiver KI-bedingter Arbeitsplatz-Krise gewarnt haben, korrigieren jetzt ihren Tonfall. KI sei doch eher „Produktivitäts-Booster” als Job-Killer. Der Timing-Zufall: beide Firmen stehen vor möglichen IPOs oder weiteren Mega-Runden, und Tech-Aktien, die als Job-Vernichter wahrgenommen werden, kriegen politische Probleme.
Für dich heißt das: Wenn du Geschäfts-Entscheidungen auf Basis dessen triffst, was Lab-CEOs öffentlich sagen — eine Schicht Skepsis lohnt sich. Vor zwei Jahren war Apokalypse das Marketing („so groß ist das, was wir bauen”), jetzt ist Sanftmut das Marketing („wir sind keine Bedrohung, kauft unsere Aktie”). Beide Aussagen sagen mehr über Investor-Briefings als über Realität.
Meine Einschätzung: KI verändert Jobs — und zwar ziemlich konkret. Aber „Produktivitäts-Booster” stimmt für die obersten 30 % deiner Branche (die KI ergänzend nutzen), nicht für die unteren 30 % (deren Standard-Tasks wegautomatisiert werden). Beides ist gleichzeitig wahr. CEOs, die nur die eine Hälfte erzählen, verkaufen dir was.
Forscher: tausende erfundene KI-Quellen in biomedizinischen Papers (2 Min)
Anschluss-Story zur Vertrauens-Frage: Eine neue Studie zeigt, dass sich seit 2023 die Zahl erfundener Literaturangaben in biomedizinischen Fachartikeln mehr als verzwölffacht hat. Halluzinierte Zitate, die niemand prüft, die dann in klinische Leitlinien einfließen.
Für dich heißt das: Wenn du KI für Recherche nutzt — Zitate immer im Original prüfen. Nicht „klingt plausibel” akzeptieren. Bei meiner Newsletter-Recherche teste ich jede Quelle mit einem Klick auf den Link, bevor sie reinkommt. Sollte selbstverständlich sein, ist es aber nicht.
Quelle: Forscher finden tausende erfundene KI-Quellen in biomedizinischen Fachartikeln (The Decoder)
George Hotz: KI-Agenten werden „teuerster Fehler” der Software-Branche (2 Min)
Entwickler George Hotz (bekannt für Comma.ai, früher iPhone-Jailbreak) kritisiert KI-Agenten in der Software-Entwicklung scharf: mangelnde Feinarbeit, immer schwerer erkennbare Fehler, technische Schulden auf Jahre.
Für dich heißt das: Anschluss an die Cowork-Story von gestern — Hotz übertreibt vermutlich, aber die Kernkritik trifft. Agenten produzieren mehr Code schneller, was nicht heißt, dass der Code besser wird. Wenn du Agenten in deinen Dev-Workflow einbaust, baue Review-Schritte ein, die mindestens so streng sind wie für menschliche Junior-Devs.
Quelle: George Hotz: KI-Agenten werden einer der teuersten Fehler der Software-Branche (The Decoder)
🛠 Tool des Tages
Perplexity Pro — Pricing: 20 $ / Monat, Trial 7 Tage.
Was es macht: Such-Assistent mit Quellen-Angabe. Im Gegensatz zu ChatGPT/Claude sind Quellen-Links direkt im Output verlinkt — du klickst eine Behauptung an und siehst, woher sie kommt.
Use Case heute besonders relevant: Wenn du KI-Recherche machst und die Halluzinations-Problematik aus der Biomed-Story ernst nimmst, ist Perplexity der ehrlichere Stack. Nicht weil es nicht halluziniert (tut es auch), sondern weil du in 5 Sekunden prüfen kannst, ob die Quelle existiert.
Wer’s nicht braucht: Wenn deine Tasks Schreiben oder Brainstorming sind statt Recherche — dann reicht Claude oder ChatGPT. Perplexity ist Recherche-Tool, kein Allrounder.
💡 Heute ausprobieren
Im Geist der Job-Killer-Kehrtwende — ein Realitäts-Check für deine eigene KI-Nutzung. Anstatt zu glauben, was CEOs auf der Bühne sagen, prüf an einer konkreten Task, was sich für DICH wirklich ändert:
Hier sind die fünf Tasks, die ich am häufigsten mache:
[Liste 5 konkrete wiederkehrende Aufgaben].
Für jede Task, bitte:
1. Welcher Teil dieser Task ist mit KI heute (Stand
Juni 2026) realistisch auf 30-50 % der Zeit zu
bringen, ohne Qualitäts-Verlust?
2. Welcher Teil bleibt manuell und warum genau?
3. Welcher Teil wird durch KI schlechter (weil schneller
≠ besser)?
Sei direkt. Keine Marketing-Antworten. Wenn du eine
Task nicht einschätzen kannst, sag das.
Erwarteter Output: drei Spalten pro Task, plus ehrliche „weiß ich nicht”-Antworten. Anders als „wie kann KI mir helfen” — weil’s nach den Grenzen fragt statt nach den Möglichkeiten.
Outro
Wenn du eine eigene Geschichte hast, wo KI dir Zeit gespart oder Zeit gekostet hat — schreib mir. Sammle gerade ehrliche Fall-Studien für eine Serie.
—Aban