Für Holz, Metall und Gipskarton reicht ein Akkubohrschrauber 18V (ab CHF 80). Für Backstein und Kalkstein in Schweizer Altbauten: Schlagbohrmaschine (CHF 100–180). Für armierten Beton — typisch im Schweizer Massivbau der 1950er bis 1990er Jahre — ist ein SDS-Plus-Bohrhammer (CHF 180–350) nötig. Der Typ entscheidet über Erfolg oder Frust an der Wand.
Bohrmaschinentypen im Überblick
Der Schweizer Bau- und Wohnmarkt stellt besondere Anforderungen: Massivbauten aus den 1960er–80er Jahren haben oft überdurchschnittlich harten Beton, während neuere Bauten häufig aus Gipskarton-Ständerwerk bestehen. Die Wahl des richtigen Werkzeugtyps ist entscheidend.
Akkubohrschrauber
Für Holz, Metall, Kunststoff und Gipskarton. Kabellos, leicht (1–1,5 kg), ideal für Möbelmontage und kleine Reparaturen. Kein Schlagwerk.
Schlagbohrmaschine
Kombiniert Drehen und Schlagen. Für Backstein, Porenbeton und leichtes Mauerwerk geeignet. Günstiger Einstieg für gelegentliches Bohren im Altbau.
SDS-Bohrhammer
SDS-plus-Aufnahme, echte Meisselfunktion. Für Beton, Naturstein und armierten Untergrund. Unverzichtbar im Schweizer Massivbau. Ab 2 Joule Schlagenergie.
Kabelbohrmaschine
Konstante Leistung ohne Akkuproblem. Günstig, schwerer. Ideal für längere Einsätze auf der Baustelle. Keine Mobilitätseinschränkung durch Laufzeit.
Wann welcher Typ — nach Material
Die grösste Kauffalle: das falsche Werkzeug für das vorhandene Material. In der Schweiz sind die häufigsten Wandmaterialien je nach Baujahr sehr verschieden.
Holz, Metall und Gipskarton
Ein Akkubohrschrauber mit 30–60 Nm Drehmoment erledigt alle Arbeiten im Holz-Ständerwerk und an Rigips-Wänden. Neubauten ab 2000 haben häufig Leichtbauwände — dort genügt ein einfaches Gerät ohne Schlagwerk. Das Gewicht (oft unter 1,2 kg) macht ihn zur ersten Wahl für Möbelmontage und Deckenarbeiten.
Backstein, Kalkstein und Porenbeton
Ältere Schweizer Wohnhäuser (1920–1970) sind oft mit Backsteinmauern oder Kalksandstein gebaut. Eine Schlagbohrmaschine mit HSS-Schlagbohrern reicht hier gut aus. Typischer Einsatz: Dübel für Bilder, Regale und Lampen setzen. Die Schlagzahl sollte mindestens 40'000 Schläge/Min betragen.
Armierter Beton und Naturstein
Schweizer Massivbauten aus den 1950er–90er Jahren enthalten häufig bewehrten Beton mit hohem Zementanteil. Hier ist ein SDS-Plus-Bohrhammer mit mindestens 2 Joule Einzelschlagenergie Pflicht. Eine normale Schlagbohrmaschine überhitzt und zerstört den Bohrer, ohne nennenswert voranzukommen. Ab 6 mm Lochdurchmesser lohnt SDS-plus immer.
Naturstein-Fassaden und Terrazzo
Historische Gebäude mit Sandstein oder Terrazzoboden verlangen einen SDS-Bohrhammer mit Diamantbohrer. Ohne den richtigen Bohrer entstehen Risse im Material. Immer ohne Schlagwerk bohren, nur Rotation, um Absplitterungen zu vermeiden.
Schweizer Beton und Mauerwerk — was Sie wissen müssen
Die Bausubstanz der Schweiz ist regional sehr verschieden. Das wirkt sich direkt auf die Werkzeugwahl aus.
Bauperioden und typische Materialien
- Vor 1940: Backsteinmauerwerk, Naturstein, dicke Wände. Schlagbohrmaschine genügt in den meisten Fällen.
- 1940–1975: Stahlbeton mit hohem Zementanteil, sehr hart. SDS-Bohrhammer empfohlen.
- 1975–2000: Mix aus Kalksandstein, Porenbeton (Ytong) und Stahlbeton. Je nach Stockwerk unterschiedlich.
- Nach 2000: Zunehmend Leichtbau (Gipskarton, Holzständer), aber auch Minergie-Massivbau mit Dämmstoffen zwischen Schichten.
Unterputzleitungen in der Schweiz
In Schweizer Wohnbauten verlaufen elektrische Leitungen und Wasserleitungen meist senkrecht und waagerecht von Schaltern und Steckdosen aus. Die SN EN 60335 und kantonale Bauvorschriften schreiben Mindestabstände vor. Vor dem Bohren unbedingt ein Leitungsortungsgerät (ab CHF 30 im Fachhandel) einsetzen. Alternativ: Die Immobilienverwaltung oder den Hauswart nach Leitungsplänen fragen.
Verankerungstiefen für Dübel
Standard-Kunststoffdübel (6 mm) in Backstein halten bis 40–60 kg. In Beton sind Metalldübel oder Verbundmörtel-Ankersysteme für Lasten über 80 kg die sichere Wahl. In Rigips-Hohlwände kommen Hohlraumdübel oder Kippdübel; dort sind tragende Lasten über 15 kg pro Befestigungspunkt ohne Stud-Sucher riskant.
Akkusystem und Spannung: 12V vs. 18V vs. 36V
Die Wahl des Akkusystems ist eine langfristige Entscheidung — Akkus und Ladegeräte sind systemgebunden. Ein 18-V-Akku von Bosch passt nicht auf ein Makita-Gerät.
12-V-Systeme
Für leichte Arbeiten und enges Gewicht-Budget. Genug für Möbelmontage und Gipskarton, aber bei harten Materialien schnell am Limit. Geräte sind kompakter (oft 1 kg oder weniger), ideal für Arbeiten über Kopf. Typische Vertreter: Bosch Flexiclick, Makita DF333D.
18-V-Systeme empfohlen
Der Standard für Heimanwender und semiprofessionellen Einsatz. Ausreichend Leistung für alle normalen Bohrarbeiten. Die grösste Gerätauswahl — Akkus passen auf Sägen, Schleifer, Stichsägen und mehr innerhalb des gleichen Systems. Wichtige Plattformen in der Schweiz:
- Bosch 18V (ProCore): Grosses Sortiment, HomeBase-Kompatibilität, weit verbreitet im Fachhandel.
- Makita LXT (BL1850): Über 200 kompatible Geräte, gute Akku-Verfügbarkeit in der Schweiz.
- DeWalt XR (20V Max): Amerikanische Basis, solide Profi-Linie, in grossen Baumärkten erhältlich.
- Milwaukee M18: Profis bevorzugen Milwaukee für hohe Standzeiten; Preiseinstieg höher.
36-V-Systeme und 2×18V
Für intensive Bohrhammer-Einsätze und Kernbohrungen. Bosch und Makita bieten Geräte, die zwei 18-V-Akkus parallel schalten. Deutlich mehr Gewicht, aber volle Baustellen-Performance. Für gelegentliche Heimwerker kaum sinnvoll.
Kapazität (Ah) richtig wählen
- 1,5 Ah: Leichte Wartung, schnell geladen. Für kurze Einsätze von 20–40 Minuten.
- 2,0 Ah: Guter Kompromiss aus Gewicht und Laufzeit. Für typische Heimwerkerprojekte.
- 4,0 Ah: Halber Arbeitstag ohne Pause. Empfehlung für grössere Renovierungsvorhaben.
- 5,0–6,0 Ah: Profi-Einsatz, schwer. Für SDS-Bohrhammer auf der Baustelle sinnvoll.
Leistung und Drehmoment — was die Zahlen bedeuten
Das Drehmoment in Newtonmeter (Nm) ist die wichtigste Kennzahl für Bohrschrauber. Die Eingangsleistung in Watt ist bei Akku-Geräten weniger aussagekräftig als das Drehmoment.
Drehmoment-Richtwerte nach Material
- 25–35 Nm: Schrauben in Holz, Möbelmontage, Gipskarton.
- 40–60 Nm: Hartholz, härtere Schrauben, Metallverarbeitung.
- 60–90 Nm: Professionelle Holzarbeiten, grössere Bohrungen in Holz und Metall.
- Über 90 Nm: Hochleistungsschrauber für strukturelle Verbindungen und Schwermetall.
Schlagenergie bei Bohrhämmern
Bei SDS-Bohrhämmern gilt die Einzelschlagenergie in Joule (J) als Massstab:
- 1,0–1,5 J: Kompakt-Bohrhämmer, für gelegentliches Einbohren in Beton bis Ø8 mm.
- 2,0–2,5 J: Standard-Heimwerker-Bereich, bis Ø13 mm in Beton.
- 3,0–4,0 J: Semiprofessionell, Kernbohrungen bis Ø25 mm, durchgehende Leitungskanäle.
- Über 5 J: Profi-Gerät (Bosch GSH, Hilti TE-Reihe), für Abbruch und Kernbohrungen grosser Durchmesser.
2-Gang-Getriebe — wozu es nützt
Die meisten hochwertigen Bohrschrauber haben ein mechanisches 2-Gang-Getriebe:
- Gang 1 (langsam/hohes Drehmoment): Schrauben eindrehen, Bohren in Metall und hartem Holz.
- Gang 2 (schnell/weniger Drehmoment): Schnelles Bohren in weichen Materialien.
Ein Kupplungs-Einstellring (typisch 16–25 Stufen) verhindert das Abreissen von Schraubenköpfen. Je mehr Stufen, desto feiner die Kontrolle — wichtig für Spanplattemöbel und Gipskarton.
Bohrfutter: Zahnkranz, Schnellspann und SDS-plus
Das Bohrfutter bestimmt, welche Bohrer und Bits montiert werden können. Drei Systeme dominieren den Markt.
Zahnkranzbohrfutter
Älteres System, benötigt einen Futterschlüssel zum Spannen. Bietet höhere Haltekraft, weshalb es bei Schlagbohrmaschinen und Kabelgeräten noch zu finden ist. Für präzise Metallbohrungen bevorzugt.
Schnellspannbohrfutter
Standard bei modernen Akkubohrschraubern. Bohrer werden per Hand gespannt — ohne Werkzeug, in Sekunden. Für Bits und Bohrer bis Ø13 mm geeignet. Leicht wackeln bei starkem Schlag, weshalb es selten an echten Bohrhämmern verbaut wird.
SDS-plus-Aufnahme
SDS steht für «Steck-Dreh-Sitz». Der Bohrer hat zwei Nuten und rastet formschlüssig ein — er kann nicht herausrutschen, auch bei hartem Schlag. Ausschliesslich bei Bohrhämmern. SDS-plus-Bohrer sind nicht mit einem normalen Bohrfutter kompatibel (Adapter erhältlich, aber ineffizient). Für Durchmesser bis 26 mm in Beton ausgelegt.
Mietrecht Schweiz: Dürfen Sie in der Mietwohnung bohren?
Eine der häufigsten Fragen in Schweizer Mietverhältnissen. Die rechtliche Lage ist klarer als vielfach angenommen.
Normaler Gebrauch nach OR Art. 267
Das Schweizer Obligationenrecht (OR) verpflichtet Mieterinnen und Mieter, die Sache «in dem Zustande zurückzugeben, wie er sich aus dem vertragsgemässen Gebrauch ergibt» (Art. 267 Abs. 1 OR). Das Bundesgericht hat klargestellt, dass das Setzen von Dübeln zum bestimmungsgemässen Wohngebrauch gehört. Kleine Bohrlöcher für Bilder, Regale und Garderobenhaken sind ohne Genehmigung zulässig.
Was als normal gilt
- Dübelbohrungen bis ca. 10 mm Durchmesser für handelsübliche Dübel.
- Wandhaken für Bilder und leichte Regale.
- Bohrlöcher in normaler Anzahl (einige Dutzend über die Mietdauer).
- Beim Auszug: Löcher mit Gips/Füllmasse verschliessen und überstreichen — so sind keine Abzüge möglich.
Was die Genehmigung der Vermieterschaft erfordert
- Wanddurchbrüche für Kabelkanäle oder Lüftungsrohre.
- Bohrungen in tragende Wände, wenn die Statik berührt wird.
- Wandmontage von Küchengeräten (Dunstabzug, Mikrowellenhalter an Hängeschränken).
- Fliesen- und Marmorbohrungen in Küche und Bad, die das Erscheinungsbild dauerhaft verändern.
Mietzinshinterlegung und Mängelbehebung
Wer für Bohrarbeiten eine schriftliche Genehmigung besitzt und die Arbeiten fachgerecht ausführt (kein Eindringen in Leitungen, kein Statikschaden), ist im Streitfall gut geschützt. Die Reparaturpflicht beim Auszug beschränkt sich auf das Verschliessen der Löcher — kein Anrecht der Vermieterschaft auf komplette Wandrenovation, wenn nur normale Abnutzung vorliegt.
Preissegmente in der Schweiz: Budget, Mittelklasse, Profi
Die CHF-Preise in der Schweiz liegen meist 10–20 % über deutschen oder österreichischen Preisen, bedingt durch höhere Importkosten, Mehrwertsteuer (8,1 %) und Händlermargen. Der Fachhandel (Baumarkt) schlägt Online-Preise oft um 20–40 % — Preisvergleich lohnt sich.
| Segment | Preis CHF | Für wen | Typische Marken |
|---|---|---|---|
| Budget | 40–100 | Gelegentliche Heimarbeiten, Möbelmontage | Einhell, Ryobi, Worx, Lidl PARKSIDE |
| Mittelklasse | 100–250 | Regelmässige Heimwerker, kleine Renovierungen | Bosch (blau, Heimwerker), AEG, Metabo |
| Semiprofessionell | 250–450 | Handwerker, intensive Nutzung, Baustelle | Bosch Professional, Makita, DeWalt |
| Profi | 450–900+ | Täglicher Handwerker-Einsatz, Baustelle | Hilti, Milwaukee, Festool, Metabo |
Blaues vs. grünes Bosch
Bosch verkauft zwei Linien: Grün (Heimwerker, günstigere Komponenten, begrenzte Garantie) und Blau (Professional, Industriekomponenten, 3-Jahres-Garantie auf Registrierung). Für Gelegenheitsnutzer ist Grün ausreichend; wer öfter bohrt, profitiert von der Langlebigkeit der Blau-Linie, auch wenn diese teurer ist.
Vergleichstabelle: 5 Bohrmaschinen-Typen im Überblick
Fünf repräsentative Modelle für typische Schweizer Anwendungsfälle — von der Wohnungsrenovation bis zur Baustelle.
| Modell / Typ | Preis CHF | Spannung | Drehmoment / Schlag | Stärke |
|---|---|---|---|---|
| Einhell TE-CD 18 Li-i Budget-Akku-Bohrschrauber |
ca. 80 | 18 V | 35 Nm | Günstig, 2 Akkus im Set, genug für Holz/Gips |
| Bosch UniversalImpact 700 Kabel-Schlagbohrmaschine Tipp Altbau |
ca. 110 | 230 V | 700 W / 13 mm | Stets volle Leistung, kein Akku nötig, Backstein |
| Bosch PBH 2100 RE Kompakt-Bohrhammer SDS-plus |
ca. 145 | 230 V | 2,0 J | Echter Bohrhammer zum Einstiegspreis, bis Ø13 mm Beton |
| Makita DHP484Z Akku-Schlagbohrschrauber 18V Heimwerker-Favorit |
ca. 175 (Grundgerät) | 18 V LXT | 54 Nm | Kompakt, leicht, LXT-System, für Holz bis Backstein |
| Bosch GSB 18V-21 Professional Akku-Kombi-Set (2× Akku + L-Boxx) |
ca. 280 | 18 V ProCore | 55 Nm | Solides System, Profi-Langlebigkeit, gute Schweizer Verfügbarkeit |
Preise sind Richtwerte (Stand 2026, inkl. MwSt.). Akku-Grundgeräte ohne Akku sind oft günstiger — nur sinnvoll, wenn bereits ein kompatibler Akku vorhanden ist.
Zubehör: Bohrer-Sets, Bits und Halter
Das beste Werkzeug bringt wenig, wenn der Bohrer stumpf oder falsch ist. Gutes Zubehör verlängert die Standzeit und liefert saubere Ergebnisse.
Bohrer-Sets nach Material
- HSS-Bohrer (Metall): Hochschnellstahl, für Metall, Aluminium und Kunststoff. Erkennbar an silbriger Farbe. Nicht für Beton verwenden — werden sofort stumpf.
- Holzbohrer (Spiralbohrer): Vorstecherbohrer, Forstnerbohrer oder Schlangenbohrer je nach Tiefe und Präzision. Forstner für saubere, flache Grundlöcher (z. B. Möbelscharniere).
- Steinbohrer (Hartmetall): Erkennbar am silbernen Hartmetalleinsatz an der Spitze. Für Schlagbohrmaschinen und normale Schlagwerke. Nicht für SDS-Bohrfutter geeignet.
- SDS-plus-Betonbohrer: Vierschneidige Hartmetallspitze, zylindrischer Schaft mit Nuten. Für alle SDS-plus-Bohrhämmer. In Sätzen von 5–6 Stück ab CHF 25 erhältlich.
- Diamantkernbohrer: Für Fliesen, Marmor und Glas. Werden ohne Schlagwerk benutzt, mit Wasserkühlsystem. Spezialzubehör ab CHF 40 pro Bohrer.
Bitsets für Bohrschrauber
- PZ2 (Pozidriv 2): Der in der Schweiz häufigste Schraubenkopf im Holzbau.
- PH2 (Phillips 2): Für Gipskartonschrauben und Elektronik häufig verwendet.
- TX25 und TX30 (Torx): In modernen Möbeln und Fahrzeugen Standard.
- Magnetic Bit-Halter: Hält die Schraube beim Eindrehen magnetisch — spart Zeit bei Deckenarbeiten.
Sinnvolles Zubehör
- Staubauffangsystem: Bohrstaubauffänger für Decke und Wand — hält die Baustelle sauber. Ab CHF 8.
- Tiefenstopp: Anschlagsstab für gleichmässige Bohrtiefe — wichtig für Reihenbohrungen.
- Dübel-Sortiment: Fischer S (Universal) und Fischer UX in 6 mm und 8 mm decken 90 % der Heimwerker-Fälle ab.
- Leitungssuchgerät: Kombiniert Strom-, Wasser- und Holzbalken-Detektion. Ab CHF 30 im Fachhandel.
Lärm, Vibration und Arbeitsschutz
Bohrarbeiten sind für professionelle Anwender durch die EU-Maschinenrichtlinie 2006/42/EG und in der Schweiz durch die ArGV 3 (Verordnung 3 zum Arbeitsgesetz) geregelt. Für Heimwerker gilt die Rücksicht auf Nachbarinnen und Nachbarn sowie die eigene Gesundheit.
Lärmvorschriften in Wohngebäuden
Die städtischen und kantonalen Lärmschutzverordnungen schreiben in der Schweiz in der Regel vor: Lärmige Heimwerkerarbeiten sind werktags von 07:00–12:00 und 13:00–20:00 Uhr erlaubt. Sonntags und an Feiertagen gilt ein generelles Verbot in den meisten Kantonen und Hausverwaltungsreglementen. Im Zweifelsfall: Mietshaus-Reglement konsultieren, das als Anhang zum Mietvertrag gilt.
Gehörschutz
SDS-Bohrhämmer und Schlagbohrmaschinen erzeugen im Betrieb 90–105 dB(A). Ab 85 dB(A) ist Gehörschutz nach Schweizer Recht vorgeschrieben (ArGV 3, Art. 22). Für Gelegenheitsnutzer genügen einfache Schaumstoffstöpsel (SNR 30 dB, ab CHF 1) oder Kapseln. Bei regelmässigem Einsatz lohnen sich professionelle Kapseln mit SNR 25–31 dB.
Vibrationsbelastung
SDS-Bohrhämmer erzeugen erhebliche Handarm-Vibrationen (2–15 m/s²). Die EU-Maschinenrichtlinie schreibt vor, dass Hersteller den ahv-Wert (Schwingstärke, Hand-Arm-Vibration) angeben müssen. Heimwerker mit gelegentlichem Einsatz sind kaum gefährdet; für Berufsanwender gilt nach Schweizer Vorschrift ein Tages-Expositionswert von 2,5 m/s² als Auslösewert.
Schutzkleidung für Bohrarbeiten
- Schutzbrille: Pflicht beim Bohren in Beton und Backstein (Splitter).
- Staubmaske (FFP2): Betonstaub enthält Quarz und ist bei regelmässiger Exposition krebserregend. FFP2-Masken ab CHF 2 pro Stück.
- Handschuhe: Schutz vor Reibung, nicht vor Vibration.
Kaufcheckliste: 8 Punkte vor dem Kauf
- Material definieren: Welche Wände stehen in Ihrem Zuhause? Beton, Backstein, Gipskarton? Das entscheidet über den Maschinentyp.
- Nutzungshäufigkeit schätzen: Einmaliges Bücherregal? Günstige Kabelmaschine oder Ausleihe. Regelmässiges Heimwerken? Akkusystem lohnt sich.
- Akkusystem prüfen: Besitzen Sie bereits Akkugeräte? Dann dasselbe System wählen — Akkus kosten CHF 40–120 pro Stück.
- Gewicht berücksichtigen: Deckenbohrungen erfordern Geräte unter 1,5 kg; schwere Bohrhämmer (3–5 kg) ermüden bei Überkopfarbeit schnell.
- Lieferumfang prüfen: Inkl. Akku und Ladegerät? Koffer? Starterbit-Set? «Grundgerät» ohne Akku ist günstiger, aber nur sinnvoll mit vorhandenem Akku.
- Garantie und Service: Bosch, Makita und DeWalt haben Servicestellen in der Schweiz. Exoten-Marken: Reparatur oft nur per Einschicken.
- Bohrer-Set einplanen: Ein günstiger Allround-Bohrersatz (Stein + Holz + Metall) kostet CHF 20–40 und rundet den Kauf ab.
- Mietrecht klären: Falls Mietwohnung: grössere Arbeiten vorher schriftlich genehmigen lassen — spart Stress beim Auszug.
Gebraucht kaufen: Ricardo.ch, tutti.ch und Co.
Gebrauchte Bohrmaschinen und Bohrhämmer bieten oft ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis — wenn man weiss, worauf man achten muss.
Gute Plattformen in der Schweiz
- Ricardo.ch: Grösster Schweizer Marktplatz. Gut für Markengeräte mit Verkäuferbewertung. Seriöse Privatverkäufer beschreiben den Zustand detailliert.
- tutti.ch: Fokus auf Lokal-Abholung. Ideal für schwere Geräte, die den Versand nicht lohnen.
- Facebook Marketplace: Regional, günstig, aber keine Verkäuferbewertung. Immer persönlich besichtigen.
- Anibis.ch: Westschweizer Fokus, ebenfalls lokal.
Worauf achten beim Gebraucht-Kauf
- Akku testen: Akkukapazität nimmt nach 300–500 Ladezyklen merklich ab. Testen Sie, ob das Gerät unter Last lange läuft. Ohne Test kein Kauf.
- Kohlebürsten (bei Kabelmaschinen): Funkenbildung am Kollektor zeigt Verschleiss. Kohlebürsten sind Verschleissteile (CHF 5–15 beim Hersteller).
- SDS-Aufnahme prüfen: Bohrer einspannen und sanft rütteln. Mehr als 0,5 mm seitliches Spiel zeigt Verschleiss an der Aufnahme.
- Schlagwerk bei Schlagbohrmaschinen: Bohrer einspannen, Schlagmodus aktivieren, Geräusch prüfen. Unregelmässiges Schlagen deutet auf defektes Schlagwerk.
- Originalzubehör und Koffer: Komplette Sets mit Koffer sind einfacher weiterzuverkaufen und zeigen, dass der Vorbesitzer sorgsam war.
- Profi-Geräte von Handwerkern: Häufig gut gewartet, aber entsprechend abgenutzt. Fragen Sie nach dem Nutzungsalter und ob Wartungen durchgeführt wurden.
Vier Profi-Tipps für bessere Bohrergebnisse
Vor dem Bohren mit einem Nagel oder Körner den Startpunkt markieren. Verhindert, dass der Bohrer auf glattem Fliesenglasur oder Metall wegrutscht.
Beim Bohren in Metall regelmässig mit einem Tropfen Schneidöl kühlen. Verlängert die Bohrer-Standzeit erheblich und verhindert Anlaufen.
Für Dübel-Reihen ein Klebeband als Tiefenmarke auf den Bohrer kleben oder den eingebauten Tiefenstopp verwenden. Gleichmässige Lochreihen sehen professionell aus.
Leitungsortungsgerät verwenden, bevor der Bohrer ansetzt — besonders bei Wänden unter Lichtschaltern, Steckdosen und in Küche/Bad.
Häufige Fragen (FAQ)
Welche Bohrmaschine brauche ich für Schweizer Beton?
Für armierten Beton — typisch im Schweizer Massivbau der 1950er bis 1990er Jahre — ist ein SDS-Plus-Bohrhammer mit mindestens 2 Joule Einzelschlagenergie die richtige Wahl. Eine normale Schlagbohrmaschine überfordert sich an hartem Beton, der Bohrer stumpft rasch ab und das Schlagwerk leidet.
Als Orientierung: Klopfen Sie mit einem Nagel auf die Wand. Gibt die Wand nicht nach, handelt es sich um Beton oder Naturstein — nehmen Sie den SDS-Bohrhammer. Für weicheren Untergrund (Backstein, Kalksandstein) genügt eine Schlagbohrmaschine.
Darf ich in einer Mietwohnung in der Schweiz bohren?
Kleine Bohrlöcher für Dübel (bis ca. 10 mm Durchmesser) gelten in der Schweiz als normaler Wohngebrauch gemäss OR Art. 267 und bedürfen keiner Genehmigung. Das Bundesgericht hat bestätigt, dass das Befestigen von Bildern und Regalen zum bestimmungsgemässen Gebrauch einer Wohnung gehört.
Grössere Eingriffe (Wanddurchbrüche, strukturelle Bohrungen, Fliesenbohrungen) benötigen die schriftliche Genehmigung der Vermieterschaft. Beim Auszug sind alle Bohrlöcher fachgerecht zu verschliessen — das verhindert Abzüge von der Kaution. Holen Sie im Zweifelsfall Rat bei der Schlichtungsbehörde Ihres Kantons ein (kostenlos).
18V oder 36V — was reicht für den Heimwerker?
Für Heimwerker und Gelegenheitsanwender ist ein 18-V-System vollständig ausreichend. Es bietet die grösste Geräteauswahl innerhalb eines Akkusystems (Bohrschrauber, Schlagbohrmaschine, Säge, Schleifer, Stichsäge) und genug Leistung für alle normalen Heimwerkeraufgaben — einschliesslich gelegentlichem Bohren in Beton.
36-V-Geräte (oder 2×18V-Systeme) sind für intensive Baustellen-Einsätze konzipiert: Kernbohrungen grossen Durchmessers, schwere Abbrucharbeiten, Dauerbetrieb über Stunden. Für die Wohnungsrenovation ist das Mehrgewicht (oft 0,5–1 kg mehr) und der höhere Preis selten gerechtfertigt.
Was kostet eine gute Bohrmaschine in der Schweiz?
Für die meisten Heimwerker liegt die richtige Investition zwischen CHF 100 und CHF 250:
• Ein Akkubohrschrauber-Set mit 2 Akkus und Ladegerät: CHF 80–160 (z. B. Einhell, Ryobi, Bosch Grün).
• Eine Kabel-Schlagbohrmaschine für Altbau-Bohrungen: CHF 90–160 (Bosch, Metabo).
• Ein SDS-Bohrhammer für Beton: CHF 145–300 (Bosch PBH-Reihe, Makita HR-Reihe).
• Profi-Geräte von Hilti oder Milwaukee: CHF 400–900.
Gebrauchte Markengeräte von Ricardo.ch für 40–60 % des Neupreises sind oft die klügste Wahl, wenn man nicht täglich bohrt.
Aktuelle Angebote auf eBay.ch — Neu und Gebraucht, mit Käuferschutz. Akkusets, Schlagbohrmaschinen und SDS-Bohrhämmer vergleichen.
Ausleihen oder kaufen — was lohnt sich in der Schweiz?
Nicht jede Bohrmaschine muss man besitzen. Für einmalige Projekte wie einen Umzug, eine Küchen-Montage oder einzelne Wanddurchbrüche lohnt sich das Ausleihen oft mehr als ein Neukauf.
Wann ausleihen?
- Einmaliges Projekt (z. B. Wanddurchbruch für Kabelkanal): Miete spart CHF 150–300 gegenüber dem Kauf eines SDS-Bohrhammers.
- Profi-Gerät für spezielle Aufgabe: Kernbohrmaschinen (Ø 50–200 mm) sind Nischenwerkzeug — kaufen selten sinnvoll.
- Unklarer Bedarf: Wenn Sie noch nicht sicher sind, ob Sie häufig bohren werden.
Wann kaufen?
- Regelmässige Heimwerker-Projekte (mehr als 2–3 pro Jahr).
- Aufbau eines Akkusystems: Jedes weitere Gerät aus dem gleichen System nutzt dieselben Akkus.
- Handwerker und Berufsanwender: Hier ist Eigenbesitz immer wirtschaftlicher.
Verleihanbieter in der Schweiz
Viele Coop Bau+Hobby und Hornbach-Filialen vermieten Werkzeuge tageweise. Spezialisierte Verleiher wie Cramo und Loxam sind auf Profi-Geräte ausgerichtet und verlangen CHF 25–60 pro Tag für SDS-Bohrhämmer im mittleren Leistungsbereich. Online-Verleih (Peer-to-Peer über lokale Plattformen) ist in der Schweiz noch wenig verbreitet, aber in Städten wie Zürich und Bern wächst das Angebot.
Sicherheit beim Bohren — Unfallverhütung in der Praxis
Bohrarbeiten verursachen in der Schweiz jährlich mehrere tausend behandlungspflichtige Unfälle, vor allem durch wegfliegende Splitter, Quetschen und Stürze auf Leitern. Die SUVA (Schweizerische Unfallversicherungsanstalt) empfiehlt folgende Massnahmen:
Vor dem Bohren
- Leitungen und Rohre im Bohrbereich mit einem Ortungsgerät prüfen. Strom-, Wasser- und Gasleitungen können lebensbedrohliche Gefahren verursachen.
- Stabilen Stand sicherstellen — auf Leitern nur arbeiten, wenn beide Hände frei sind (Handgriff des Bohrhammers, nicht die Leiter festhalten).
- Schutzbrille aufsetzen. Steinstaub und Metallspäne können das Auge dauerhaft schädigen.
- Lose Kleidung, Schmuck und offene Haare sichern — können sich in rotierenden Teilen verfangen.
Während des Bohrens
- Mit konstantem, moderatem Druck arbeiten. Zu viel Druck bricht Bohrerspitzen und erhöht Vibrationsgefahr.
- Bei Erwärmung des Bohrers kurze Pausen einlegen — überhitzte Bohrer verlieren die Schneidgeometrie.
- Nie in denkmalgeschützten Gebäuden ohne Fachkundigen bohren — Mauern können unerwartet durchbrechen.
Elektrische Sicherheit
Kabelgebundene Maschinen sollten über einen FI-Schutzschalter (Fehlerstromschutzschalter) betrieben werden, besonders auf Baustellen und in feuchten Umgebungen. In der Schweiz ist dies für gewerbliche Baustellen nach der Niederspannungsinstallationsnorm NIN 2020 (SN 411000) vorgeschrieben. Heimwerker profitieren von mobilen FI-Steckern (ab CHF 35), die in jede Steckdose passen.
Markenüberblick für den Schweizer Markt
Die in der Schweiz verfügbaren Marken unterscheiden sich in Verbreitung, Servicenetz und Preisniveau erheblich. Hier ein praxisorientierter Überblick:
Bosch — grösste Verbreitung
Bosch ist in der Schweiz am stärksten vertreten, mit Servicestellen in allen grossen Städten und breitem Sortiment in Bau+Hobby, Bauhaus und online. Die grüne Heimwerker-Linie bietet solides Preis-Leistungs-Verhältnis; die blaue Professional-Linie überzeugt bei Langlebigkeit. Das 18-V-ProCore-System zählt zu den am weitesten verbreiteten Akkuplatformen des Landes.
Makita — Liebling der Handwerker
Makita ist unter professionellen Handwerkern in der Schweiz sehr beliebt. Das LXT-18V-System bietet über 200 kompatible Geräte. Makita-Geräte sind oft etwas leichter als Konkurrenzprodukte gleicher Leistungsklasse. Der Kundenservice ist in grossen Städten gut, in ländlichen Gebieten etwas dünner aufgestellt.
DeWalt — stark im Profi-Segment
DeWalt (XR 18V/20V) hat sich besonders im amerikanischen und britischen Markt etabliert, ist aber auch in der Schweiz zunehmend verbreitet. Besondere Stärke: robuste Bauweise, gute Ergonomie, breites Zubehörprogramm. Servicenetz kleiner als bei Bosch, aber wachsend.
Milwaukee — für anspruchsvolle Anwender
Milwaukee M18 gilt in Fachkreisen als einer der besten 18-V-Antriebe auf dem Markt. Hoher Anschaffungspreis, aber sehr lange Standzeiten. Ideal für Installateure, Schreiner und Elektriker, die täglich schwere Aufgaben bewältigen.
Hilti — die Profi-Referenz
Hilti (Vaduz, Liechtenstein) ist die Premium-Referenz auf Schweizer Baustellen. SDS-max-Bohrhämmer von Hilti setzen den Standard. Preise liegen deutlich über dem Wettbewerb; dafür bietet Hilti ein umfassendes Flottenmanagement-System und Reparatur-Garantien. Für den Heimwerker kaum relevant, für Bauunternehmen oft erste Wahl.
Budget-Marken (Einhell, Ryobi, Worx, PARKSIDE)
Für gelegentliche Heimarbeiten leisten Budget-Marken oft mehr als ihr Preis vermuten lässt. Einhell und Ryobi bieten ordentliche 18-V-Ökosysteme. PARKSIDE (Lidl) ist günstig, aber das Servicenetz ist begrenzt. Worx hat mit dem Share-Volt-System eine clevere Lösung für wechselseitig kompatible Akkus verschiedener Spannungen.
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